Pressemeldungen:

Kauflaune im Onlinehandel trotz Krisen stabil – Verband warnt vor Mehrwertsteuererhöhung

Die Zukunftssorgen der Deutschen und aktuelle globale Krisen haben sich vorerst nicht wesentlich auf den Onlinehandel mit Waren ausgewirkt. Umsatzdaten der bevh-Verbraucherbefragung für das erste Quartal, in denen der Krieg im Nahen Osten und die verschärfte Energiekrise berücksichtigt sind, zeigen ein insgesamt stabiles Ausgabenwachstum von 3,6 Prozent auf rund 20,4 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal (alle Angaben inkl. USt., nicht inflationsbereinigt). Der Gesamtmarkt führt damit seinen langfristigen – wenn auch gedämpften – Erholungstrend fort.

„Die krisenbedingt nachlassende Konsumlaune konnte den Onlinehandel bisher nicht herunterreißen. Das kann jedoch der Bundesregierung gelingen. Die wahre Belastungsprobe kommt, sollte die Mehrwertsteuer tatsächlich angehoben werden. Explodierende Energiepreise, aggressive und oft unfaire Wettbewerber aus Drittstaaten sowie Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Unternehmen würgen die Branche. Die Unternehmen haben keine Luft, die einhergehende Belastung aufzufangen oder nur abzufedern. Das derzeit stabile, aber vorsichtige Wachstum ist bei den in Regierungskreisen diskutierten Plänen zur Mehrwertsteuererhöhung in höchster Gefahr“, warnt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh eindringlich. „Weniger Subventionen verbunden mit Bürokratieabbau wären die sinnvolle Alternative und ein Signal für Verantwortungsbewusstsein und Staatsmodernisierung.“

Umsatzveränderungen nach Quartalen

Umsätze im Onlinehandel nach Quartalen


Online-Supermärkte und -Apotheken legen weiter zu, Modehandel stabil

Der Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs und andere unaufschiebbare Ausgaben verlagern sich strukturell weiter in den Onlinehandel. Umsätze mit Lebensmitteln (+12,3 Prozent) und Drogerieartikeln inkl. Kosmetik (+10,1 Prozent) machten im ersten Quartal einen deutlichen Sprung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Online-Apotheken konnten das kräftigste Umsatzwachstum mit Medikamenten (+9,8 Prozent) seit Einführung des E-Rezepts verbuchen. 

„Versandapotheken werden zur Infrastruktur eines digitalen Gesundheitswesens mit eigenen Gesundheitsdienstleistungen und neuen Wegen für eine effizientere medizinische Versorgung. Das bringt die Anbieter in eine einzigartige Wachstumsstellung innerhalb des Onlinehandels“, erklärt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh.

Ungewöhnlich früh blüht dieses Jahr das Warencluster Freizeit auf: Hobby & Freizeitartikel verzeichneten ein Umsatzwachstum von 6,2 Prozent, Baumarktartikel und Blumen von 5,0 Prozent. Für Stabilität im Onlinehandel sorgte auch der wichtige Modehandel, der bei Bekleidung um 3,6 Prozent und bei Schuhen um 3,7 Prozent zulegte. Schlusslichter waren Unterhaltungsmedien: Verkäufe von (Hör-)Büchern und E-Books stagnierten bei 0,2 Prozent, was deutlich hinter den Inflationserwartungen für das Quartal liegt.

Umsätze über Marktplätze wachsen 

Weit auseinander ging die Entwicklung der Händler. Onlineshops (Pureplayer), die im Weihnachtsgeschäft noch starke Ergebnisse lieferten, kamen zu Jahresbeginn nur auf ein Plus von 0,6 Prozent. Etwas aufholen konnten hingegen die Onlineverkäufe stationärer Händler (Multichannel), die ein Umsatzplus von 3,9 Prozent verbuchen. Am stärksten wuchsen auch in diesem Quartal die Umsätze auf Online-Marktplätze (5,2 Prozent).

Asiatische Plattformen bauen Marktanteile aus

Die drei größten Plattformen chinesischer Herkunft kamen in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf ein Umsatzplus von 12,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das ist zwar deutlich weniger als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor (+33,9 Prozent). Aktuell wachsen Temu, Shein und AliExpress in Deutschland aber noch immer viermal so schnell wie der gesamte Onlinehandel. Mit einem Gesamtumsatz von 990 Mio. Euro im ersten Quartal konnten die Plattformen ihren gemeinsamen Marktanteil am Gesamtumsatz des Onlinehandels von 4,5 Prozent im Vorjahr auf aktuell 4,9 Prozent ausbauen.

Umsatzentwicklung im E-Commerce mit Waren nach Segmenten

(alle Angaben in Mio. Euro, inklusive USt.)

 

Gesamtumsätze

Veränderung

 

 

Q1/2025

 

Q1/2026

 

CLUSTER Bekleidung

4.367

4.525

3,6%

CLUSTER Unterhaltung

6.037

6.118

1,3%

CLUSTER Freizeit

2.176

2.276

4,6%

CLUSTER Einrichtung

3.579

3.664

2,4%

CLUSTER täglicher Bedarf

2.401

2.622

9,2%

 

 

 

 

 

Bekleidung

3.449

3.573

3,6%

Haus- & Heimtextilien

465

474

2,0%

Schuhe

918

953

3,7%

Bücher / Ebooks / Hörbücher

797

798

0,2%

Bild- & Tonträger/Video & Music Downloads

831

837

0,8%

Elektronikartikel & Telekommunikation

2.733

2.784

1,9%

Computer/Zubehör/Spiele/Software

1.676

1.698

1,3%

Hobby & Freizeitartikel

780

828

6,2%

DIY & Blumen

706

742

5,0%

Möbel, Lampen & Dekoration

1.412

1.459

3,4%

Haushaltswaren & -geräte

1.702

1.731

1,7%

Drogerie

874

962

10,1%

Lebensmittel

969

1.088

12,3%

Schmuck & Uhren

224

228

1,5%

Auto & Motorrad/ Zubehör

315

323

2,5%

Spielwaren

374

383

2,4%

Bürobedarf

220

224

1,8%

Medikamente

423

465

9,8%

Tierbedarf

558

572

2,5%

Sonstiges

244

252

3,2%

 

 

 

 

Waren im interaktiven Handel (E-Commerce + Bestellungen, Fax, oder schriftlich)

19.980

20.652

3,4%

Onlineanteil in %

98,7%

98,7%

 

Waren im E-Commerce 

19.671

20.374

3,6%

  

 

 

Waren & Dienstleistungen im interaktiven Handel (E-Commerce + Bestellungen, Fax, oder schriftlich & digitale Dienstleistungen)

22.808

23.672

3,8%

Digitale Dienstleistungen

2.828

3.020

6,8%

 

Umsatzentwicklung mit Waren nach Versendern

(alle Angaben in Mio. Euro, inklusive USt.)

 

Gesamtumsätze

Veränderung

­­­­

Q1/2025

Q1/2026

 

MCV 

2.430

2.525

3,9%

Online-Handel (IPP, APV, SHC)

5.633

5.666

0,6%

OMP

10.876

11.441

5,2%

HEV

595

600

0,8%

TVS

108

124

14,6%

Nicht zuzuordnen

29

18

-37,7%

 

(MCV: Multichannel-Versender, IPP: Internet- Pure-Player, APV: Apothekenversender, SHC: Shoppingclub, OMP: Online-Markplätze, HEV: Herstellerversender, TVS: Teleshopping)

 

Über die Studie
In der wöchentlichen Verbraucherbefragung „Interaktiver Handel in Deutschland“ werden von Januar bis Dezember insgesamt 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen (z. B. Reisen oder Ticketing) befragt. Die Endergebnisse der Studie werden am Anfang jeden Jahres veröffentlicht. Die heute vorgestellten Zahlen basieren auf der Auswertung des Zeitraums vom 1. Januar bis 31. März 2026. Die Studie wird durch die BEYONDATA GmbH durchgeführt.